40 Schachspielerinnen und Schachspieler warteten am frühen Samstagnachmittag im großen Saal der Ressource auf ihren Gegner, den Großmeister und zweifachen Europameister Matthias Blübaum, der den runden Geburtstag des Schachvereins Soest 1926 mit einer Simultanveranstaltung krönte. Unser Gast erfüllte bereitwillig die zahlreichen Wünsche nach Autogrammen und gemeinsamen Fotos, bevor der Vereinsvorsitzende Gunnar Herppich die von der Sparkasse Soest-Hellweg unterstützte Veranstaltung mit der Begrüßung der Teilnehmer eröffnete. Bürgermeister Markus Schiffer überbrachte zum „Hundertsten“ die Glückwünsche der Stadt Soest und überreichte ein westfälisches Flachgeschenk, und anschließend wurden – pünktlich um 14 Uhr – die Bretter freigegeben.
Hochkonzentriert machte der Großmeister seine Runden, und ebenso sorgfältig agierten die vierzig Herausforderer, so dass erst nach gut drei Stunden die erste Partie beendet wurde – mit einem Remis für Christian Koschetzki von der Schachvereinigung Salzgitter.
Ab 18 Uhr lichteten sich nach und nach die Reihen; unseren Zeitplan hatten wir inzwischen über Bord geworfen, denn es dauerte insgesamt rund sechs Stunden, bis alle Partien beendet waren. Am längsten durchgehalten hatte Bastian Fritsch (SK Stukenbrock), der dem Großmeister in einem komplizierten Endspiel unterlag. Auch die Soester Maximilian Schattkowsky, Richard Müller und Marcel Gérard gehörten zu den letzten Spielern, wobei Richard im Endspiel sogar noch eine überraschende Gewinnchance ausließ, während Matthias Blübaum gegen Marcel mit sehenswerter Technik ein materiell zunächst ausgeglichenes Läuferendspiel zum Gewinn „knetete“.
Am Ende steht eine eindrucksvolle Bilanz für den Europameister: Trotz vieler starker Amateure auf der Gegenseite – darunter der FIDE-Meister Gregor Flüchter (LSV Turm Lippstadt) und etliche Regionalligaspieler des SV Soest – konnte Matthias Blübaum 38 seiner 40 Partien gewinnen. Dem früheren Stadtmeister Benedikt Ungerland gelang es, für den SV Soest wenigstens einen (halben) Ehrentreffer zu erzielen. In einer lebhaften Partie kam er zunächst in Nachteil, doch er hielt die Stellung zusammen und bekam ein Turmendspiel auf das Brett, das für den Großmeister trotz eines Mehrbauern – wie die nachträglich befragte „KI“ bestätigte – nicht mehr zu gewinnen war. Nach 45 Zügen bot Matthias Blübaum remis an, war gern akzeptiert wurde. Damit erzielte der Großmeister ein Gesamtergebnis von sagenhaften 39 : 1 (!).
Fast noch eindrucksvoller ist eine kleine Anekdote: Benedikt Ungerland war so auf seine Partie fokussiert, dass er seine Züge nicht vollständig notiert hatte; natürlich hätte er seinen Erfolg gern „schwarz auf weiß“ gehabt. Doch der Großmeister war gern bereit zu helfen, setzte sich nach sechs Stunden geistiger Schwerstarbeit an ein Schachbrett (wenigstens durfte er jetzt sitzen), rekonstruierte die Partie (eine von 40!) aus dem Gedächtnis – fehlerfrei natürlich – und notierte die Züge. Chapeau! Das anschließende Abendessen im Kreise der Soester Schächer hatte er sich redlich verdient.
Hier noch ein paar Eindrücke:


Ganz oben: Schon vor ihrem Remis in gutem Einvernehmen: Matthias Blübaum und Benedikt Ungerland. Darunter: Gunnar Herppich, Matthias Blübaum und Soests Bürgermeister Markus Schiffer bei der Begrüßung. Bild unten: Knapp fünf Stunden später haben sich die Reihen doch etwas gelichtet, aber Viktor Dongash (vorn rechts) kämpft noch …


Sehr lange hat auch unser Nachwuchsspieler Maximilian Schattkowsky durchgehalten.
